Robin Hood (2000-2002)

Oft stelle ich mir die Frage, wann ich zum ersten Mal von einem Seven gehört habe, doch leider finde ich nie eine Antwort. Irgendwann muss mich dieses Fieber gepackt haben, dass ich euch nicht zu beschreiben brauche. Und irgendwann, ich machte gerade Zivildienst, fing ich an zu sparen und schwor mir in diesem Leben einen Seven zu besitzen. Ich sammelte immer mehr Informationen und stieß auf die Seven-IG, durch die ich sehr viel lernte. Ich erfuhr unter anderem, dass einige Mitglieder nach Stoneleigh zur Kit-Car Show fahren wollten, und Werner Maurer empfahl mir dort mitzufahren. Ein guter Ratschlag wie sich später herausstellen sollte. Die Tour nach Stoneleigh war beeindruckend, fuhr ich doch zum ersten Mal in einem Seven mit. Es war Werner Pfetzer, der mich in seinem Westfield mitnahm und der deshalb für die endgültige Infizierung mit dem Seven-Virus verantwortlich ist. Auf den ersten Metern auf der Autobahnauffahrt wurde mir noch stärker bewusst, daß ich nicht umhin kam, irgendwann einen Seven zu besitzen. Die ganze Geschichte über die Fahrt nach Stoneleigh möchte ich hier nicht beschreiben, an dieser Stelle aber ein dickes Dankeschön an alle, die mitgefahren sind und mir geholfen haben, es war echt super!

Kaum in England angekommen fing ich an, jeden Tag wie ein Irrer Geld abzuheben (Kreditkarte vom Vater und eigene EC-Karte), da es bekanntlich Limits pro Tag gibt, und ich im Urin hatte, dass irgendetwas passieren würde, womit wohl niemand gerechnet hätte. Es ist übrigens nicht so einfach (funktionierende) Geldautomaten in England zu finden, es empfiehlt sich also, nicht ganz so spontan vorzugehen. Die Kit-Car Show selbst war überwältigend. Es war so beeindruckend, dass ich in meinem Wahn sogar eine englische Bratwurst gegessen habe, die eher aus Mehl als aus Fleisch bestand. Nachdem wir Kilometer über das Areal geschlendert sind habe ich (oder war es Werner?) einen Robin Hood gefunden, den ich meinem Geldbeutel schmackhaft machen konnte. Nach kurzer Probefahrt und grobem Check durch die Anwesenden war mir klar, dass ich nicht mehr mit Werner Pfetzer heimfahren würde.

Doch galt es noch ein kleines finanzielles Problem zu lösen, denn in den wenigen Tagen schaffte ich es nicht, genug Geld abzuheben. An dieser Stelle vielen Dank an Werner und Roland, die mich erst seit wenigen Tagen kannten und mir den ganzen Rest (über zwei drittel des Kaufpreises!!) geliehen haben.

Glücklich grinsend und ohne einen blassen Schimmer, ob das mir vollkommen unbekannte Auto überhaupt 800km an einem Stück durchhalten würde, fuhr ich mit Ralf und Jasmin Mühlenberg, die ich auch auf dieser Fahrt kennengelernt hatte, einen Tag früher als geplant zurück. Ich möchte mich für ihre Geduld bedanken, da ich mangels Vertrauen in das Auto nicht schneller als 120 fahren wollte.

Es war das reinste Abenteuer. Würden die Unterlagen, die ich beim Kauf erhielt, bei einer Polizeikontrolle ausreichen? Ich hatte keine Kurzzeitkennzeichen, fuhr also noch mit den englischen Kennzeichen. Außerdem funktionierte ein Scheinwerfer nicht. So fuhr ich also - Blut und Wasser schwitzend - durch England, Frankreich, Belgien, Luxemburg und Deutschland an drei (!) Polizeikontrollen vorbei, ohne daß ich angehalten wurde. Als ich in Trier ankam – ich hatte nur noch Rauschen in den Ohren und alle Knochen taten mir weh – überraschte ich meine Eltern mit meinem neu erworbenen Schätzchen, denn sie wussten noch von nichts und wähnten mich noch in England. Die Reaktionen reichten von blankem Entsetzen (Mutter) bis zu vor Faszination leuchtenden Augen (Vater). Die erste Etappe des Abenteuers Seven war geschafft, die zweite – nennen wir sie „wie bekomme ich den Segen des TÜV“ – sollte etwas länger dauern.....

HKT (ab 2002)

Dass ich eines Tages meinen geliebten Robin Hood (in Stoneleigh gekauft, importiert, technisch zauberhaft hergerichtet, TÜV-tauglich gemacht und nach langem Hin und Her endlich zugelassen) gegen einen «hochwertigeren» Seven austauschen würde, stand eigentlich schon von Anfang an fest. Welcher Neuer es allerdings werden sollte, hielt ich bewusst offen, da ich mich nicht nur von subjektiven Äußerlichkeiten leiten lassen, sondern nach obkjektivem Vergleich entscheiden wollte. Schnell stand fest, dass ich angesichts der chronischen Ebbe in meinem Geldbeutel – die so manch anderer Seven faszinierte Azubi mit mir teilen mag - wohl nur über den Kauf eines Bausatzes zu etwas Eigenem kommen könnte. Dies sollte auf jeden Fall den Vorteil haben, dass Bausatz-Ausbaustufen zeitlich gestaffelt und entsprechend finanziert werden können. Irgendwie aufkeimende Zweifel daran, dass ich das für das Vorhaben notwendige technische Wissen womöglich nicht besitze, wurden ebenso bewusst verdrängt wie ein leises Ahnen, dass die komplette Bausatz – Fertigung womöglich im Endeffekt Summen verschlingen könnte, die den Kosten für ein Fertigfahrzeug in nichts nachstehen. Immer noch unbeirrt im Glauben, mit der Anschaffung eines Bausatzes den richtigen Weg eingeschlagen zu haben, waren die wenigen Firmen, die selbiges anbieten, schnell ausgemacht.

Die verwirrende Unübersichtlichkeit des Angebotes, so wie es sich auf den Web-Seiten dieser Firmen darbietet, brachte mich mit meiner Kalkuliererei zu keinem einvernehmlichen Ergebnis. Diese Ratlosigkeit veranlasste mich deshalb, den Firmen per Email erst einmal die alles entscheidende Frage zu stellen: « Was kostet mich ein tüv-konformes, fahrbereites Fahrzeug mindestens ? » Auf eine doch anscheinend so leichte Frage nie eine Antwort zu erhalten, erstaunte mich und ließ leise Bedenken aufkommen. Sollten die das etwa selbst nicht wissen ? Ja, so einfach sei das nicht, ließ man mich wissen, als ich nach fruchtloser Email-Korrespondenz zum Hörer griff, um die telefonische Beratung zu bemühen ; das könne man nicht so einfach beantworten, hinge von zu vielen Faktoren, sprich Ausstattungsmerkmalen, ab; käme letztendlich ja auch darauf an, wie teuer die Gebrauchtteile kämen, die ich in meinen Bausatz einbauen wollte. Wie bitte, Gebrauchtteile in meinen neuen Seven? Jawohl, kam leicht entrüstet über meine laienhaften Vorstellungen zurück, Motor und Getriebe, undundund, sollte man sich schon selbst gebraucht beschaffen, da der Bausatz sonst doch ein gutes Stück teurer käme. Teurer als was ? Etwas als das, was einem an theoretischen Bausatz-Kosten in den vertrackten Werbebroschüren vorgegaukelt wird ?

Dies passte auch zu vielen Aussagen von Seven-IG-Mitgliedern, Durchschnitts-Tenor der Auskünfte: « Unter 35 000,- DM ist nichts zu machen, setze am besten gleich 40 an ! » Dahin war sie, meine Vorfreude und die Illusion, mit relativ geringen Mitteln, zeitlich gestaffelt je an einen fertigen Bausatz-Seven zu gelangen. Wie schön und vielversprechend sie doch waren (sind), die Verlockungen und Versprechen der Prospekte der Bausatzanbieter. Da konnte doch was nicht stimmen ? Endgültige Aufklärung sollte ein persönliches Gespräch mit einem Bausatzanbieter bringen. Der Besuch in der Firma wurde mit dem Chef persönlich abgesprochen und auf Samstag 12 Uhr terminiert. Auf ging’s also von Trier gen Nordosten. Die mehr als 2-stündige Anfahrt wurde gerne in Kauf genommen, versprach man sich doch von dem Besuch endlich umfassende Aufklärung und endgültige Kostenaufstellung … warum nicht gleich Kauf, wo man doch schon mal da sein würde.

Es war zehn vor Zwölf als wir ankamen. Mutig preschte ich vor. Der Laden schien geschlossen, die Eingangstür war es nicht. Tatsächlich trafen wir jemanden an, der bereit war, auf unsere Fragen zu antworten; nicht mehr und nicht weniger, von umfangreicher Beratung keine Spur. Abgesehen davon, dass uns ein aktuelles Werbeprospekt in die Hand gedrückt wurde, das man aber „erst ins Büro holen gehen müsse“. Stimmt, da war ja ein Büro, in dem man gemütlich hätte Platz nehmen können, wo einem womöglich ja vielleicht auch etwas Trinkbares angeboten worden wäre… Lechz. In Abwesenheit unseres „Beraters“ fielen uns neben zwei nackten Gitterrohrrahmen auch zwei fertige Seven auf. Gebrauchte, wie sich auf Nachfragen herausstellen sollte, die von Ihren Besitzern zum Verkauf hier abgestellt wurden. Schlauer um die Information über Alter, Preis, PS und Fahrleistung, wurde unsere fast flehentliche Frage, ob man auch einmal Probesitzen dürfe, mit einem knappen „Ja“ beschieden. Da saß ich nun, endlich, nach halbstündigen Herumstehen, und es lockerten sich unsere Mienen. Wir saßen endlich Probe! Und fanden Gefallen. Warum, schoss es mir durch den Kopf, sollte mein „Neuer“ eigentlich kein Gebrauchter sein? Was lag da näher, als eine Probefahrt ins Auge zu fassen. Doch da hatten wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Auf unsere Bemerkung, den Zaunpfahl in der Hand haltend, der Wagen habe bei der vorliegenden Motorisierung und Auspuffanlage ja wohl einen super Sound, wurde uns nicht etwa erwidert, man solle den Motor doch einfach einmal starten. Nein, da war nichts zu machen. Die Frage nach einer Probefahrt erübrigte sich somit logischerweise. Darüber hinaus waren keine Nummernschilder vorhanden. Hatten wir nicht einen Termin ausgemacht? Versucht ein Verkäufer etwa nicht, den potentiellen Kunden – evt. mit einer Probefahrt – von seinem Produkt zu überzeugen? Düpiert schauten wir einander an und verstanden unausgesprochen, dass es jetzt nur noch heißen konnte: Raus hier! Dass uns dabei die Höflichkeit nicht abhanden kam, ist wohl nur der Anwesenheit der Damen zu verdanken, die bibbernd in einer Ecke der Garage ausgeharrt hatten. Es muss an der Aufbruchstimmung gelegen haben, dass sich die Miene unseres Gegenüber erhellte. Den Türgriff bereits in der Hand, fiel mir dann doch noch die wesentliche Frage ein: „Was kostet ein kompletter Bausatz?“ Wie nicht anders erwartet, fiel die Antwort kurz und schmerzlos aus: Da müsse man alle Einzelheiten und Sonderausstattungen besprechen; aber das ginge ja auch per Fax. Waren wir nicht zur Klärung dieser Fragen gekommen? Ob diese Firma jemals ein Fax von mir erhalten hat, überlasse ich dem Leser dieser Zeilen zu beantworten.

Nach Hause zurückgekehrt machte ich dann die Rechnung selbst auf. Ergebnis? Niederschmetternd …….. Das war zunächst das Ende meines Bausatztraumes. Nicht viel später sollte mir jedoch zu Ohren kommen, dass bei einer Firma in Süddeutschland ein kaum gebrauchter Seven zum Verkauf angeboten wurde. Wie beim ersten Abenteuer Seven wurde telefonisch ein Termin vereinbart. 500km, nur um eventuell die gleiche Enttäuschung wie wenige Wochen zuvor zu erleben? Beim Gedanken an eine Probefahrt und einem eventuellen Kauf verflogen alle Zweifel. Ob ich objektiv bleiben könnte? Nach 5 Stunden erreichten wir unser Ziel. Nur wenige Häuser zählte der Ort, oder war es gar nur ein Hof? Und dieses schöne Privathaus sollte eine Sevenschmiede sein? Nun ja, man war ja einige Überraschungen gewöhnt und so stürmten wir den Ort, der mein Sevenglück erfüllen sollte. Freundlich wurden wir von einer Dame empfangen und ungeduldig drängte ich zum Hauptthema, dem gebrauchten Seven. Wir waren angsterfüllt, bestand doch die Gefahr, nur ein Prospekt in die Hand gedrückt zu bekommen. Auch der Satz „Das können wir ja per Fax regeln“ schwebte uns noch vor und wir stellten uns schon drauf ein, Schwarz-Weiß-Fotos per Fax zu erhalten. Doch wir wurden nicht enttäuscht und wurden in einen großen Wintergarten geführt, wo die Hauptattraktion stand:“ Darf ich mich reinsetzen?“ fragte ich zögerlich. Man kann ja nie wissen und sollte immer vorsichtig sein! Auch hier durfte ich mich hineinsetzen und kaum hatte ich es mir bequem gemacht, steckte auch schon der Schlüssel im Zündschloss, und wenige Sekunden später fuhr ich davon. Ich musste mich auf der Fahrt vom Hof zur Hauptstraße immer wieder kneifen, denn so reibungslos konnte das doch nicht verlaufen?

Die Probefahrt möchte ich nicht in ihren Einzelheiten beschreiben, jedoch kam ich endorphin-gefüllt, glücklich und mit breitem Grinsen – obwohl verhandlungstechnisch äußerst unklug - zurück! In meinem Kopf saß ich schon in meinem Seven. Als ich wieder ausstieg wurden ein paar technische und sonstige Fragen geklärt, die sehr kompetent beantwortet wurden und sehr schnell wurde man sich einig. Ob die köstliche Tasse Kaffee auch dazu beigetragen hat? Jedenfalls wurde uns nicht angeboten, weitere Fragen per Fax zu klären, wie es bei anderen Anbietern üblich zu sein scheint, nein, und obwohl es schon längst nach 14 Uhr war, wurden wir weiterhin höflich behandelt, kein banger Blick auf die Uhr, keine erleichterte Miene beim Abschied. Wenige Wochen später wurde mein Traum wahr! Und die Moral von der Geschicht’, traue einem Bausatz nicht.